Erfolgreiche Antifa-Demo in Nienburg

Letzten Samstag demonstrierten rund 200 Antifaschist_innen auf einer Demonstration unter dem Motto „Faschistische Strukturen in Nienburg zerschlagen!“ durch die Innenstadt und danach in Richtung Nordring. Wir wollen an dieser Stelle keinen großen Demobericht verfassen, das haben die Genoss_innen des Antifabündnisses Weser/Deister/Leine schon getan. Vielmehr wollen wir die Strukturen der rechten Szene in Nienburg im Hinblick auf den Ablauf des Tages beleuchten.

Als für die Nazis bekannt wurde, dass die Demonstration in Richtung der Wohngebiete der beiden Nazis Christopher Siedler und Christopher Horn gehen sollte, folgte von diesen offenbar ein Hilferuf an die Nazistrukturen in Göttingen und umzu. Das sogenannte „Kollektiv Nordharz“ kündigte großmäulig an, Antifaschist_innen in Hannover „zu erwarten“ und in Nienburg ihre Kamerad_innen unterstützen zu wollen. Stattdessen reisten sie mit 4-5 vollbesetzten Autos an. Drei Neonazis bekamen von der Polizei Platzverweise erteilt, als sie versuchten, die Demoroute zu erreichen.

Doch die Hilfe von außerhalb ist auch die einzige, die Christopher Siedler erfahren durfte. Bis auf 1-2 weitere Personen waren keine Nazis aus Nienburg anwesend. Nazis die bei vorherigen Aktionen immer wieder konfliktorientiert aufgefallen sind (namentlich z.B. Christopher Horn, Manuel Gentemann, Eike Zwick), wie z.B. beim Angriff auf unsere Infoveranstaltung am 28.07.2016, beim Naziaufmarsch am 19.11.2016 in Nienburg oder auch bei einigen Veranstaltungen des damaligen Pegida-Ablegers in Hannover, zeigten sich nicht. Dieses Beispiel zeigt, dass Solidarität innerhalb der Nienburger Szene ein Fremdwort zu sein scheint. So nahmen die Nazis aus dem Raum Göttingen eine rund 3-stündige Anfahrtszeit auf sich, während sich diverse Nienburger Nazis offenbar nicht einmal in die Nähe der Demo getraut haben. Aber auch die lange Anreise hat den Nazis von außerhalb keinen erkennenswerten Mehrwert gebracht. Sie wurden von Anfang an von der Polizei separiert und immer sehr weit von der Demonstration entfernt gehalten. Eine 10-Minütige Spontankundgebung mit etwa 10-15 Teilnehmenden gegen angebliche Polizeiwillkür vor dem Baumarkt Heka in der Celler Str. blieb ebenso unbeachtlich. Von der angeblichen nationalen Solidarität und den nationalen Freiräumen, von denen die Nazis im Vorfeld schwafelten war nicht viel zu spüren. Selbst die angereisten Nazis machten sich aus dem Staub, bevor die antifaschistische Demonstration zu Ende war.

Der verstärkte öffentliche Druck, der in den letzten Wochen und Monaten von mehreren Seiten sowohl auf die Nazis als auch auf die Stadtverwaltung ausgeübt wurde, scheint langsam zu wirken. Die Nazis sehen sich offenbar nicht mehr in der Lage, geschlossen aufzutreten und versagen ihrem Kameraden die Solidarität.

Alles in allem war es aus antifaschistischer Perspektive ein erfolgreicher Tag. Wir danken allen Teilnehmer_innen der Demonstration und insbesondere dem Antifa Bündnis Weser/Deister/Leine für die Mühe und die Organisation im Vorfeld. Den Nazis wurde ein weiteres Mal gezeigt, dass sie in Nienburg bei jeder Agitation mit entschlossenem Widerstand rechnen müssen.