Selbstverständnis der Antifaschistischen Aktion Nienburg

Wir sind eine antifaschistische Gruppe aus dem Landkreis Nienburg, die sich im Zuge der zunehmenden Naziaktivitäten im Jahr 2014 zusammengefunden hat.

Uns eint die gemeinsame Vorstellung einer besseren Welt und unsere Ansätze und Ideen hierzu sind breit und vielfältig. Grundsätzlich lehnen wir hierarchische Strukturen ab und wehren uns entschieden gegen jede Form von Faschismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und sonstiger gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Dabei muss allerdings klar sein, dass die Existenz und die Aktivität organisierter Neonazis nur die Spitze des Eisbergs sind: Völkische und rassistische Ideologien gehören schon immer zum Normalzustand. Von daher muss Rassismus immer auch als gesamtgesellschaftliches Problem wahrgenommen werden, das nicht durch einzelne Demonstrationen gegen rechts behoben ist. Vielmehr ist ein kollektives Umdenken von Nöten, das nicht an Konkurrenz und Lohnabhängigkeit gebunden ist und Platz schafft für ein solidarisches Miteinander. Das bedeutet auch, dass wir uns gegen einen Kapitalismus engagieren müssen, der den eintönigen Alltag wieder und wieder reproduziert und damit die Grundlage und den Nährboden für rechtsextremes und rassistisches Gedankengut schafft. Ein solidarisches Miteinander, das widerrum eine gute Grundlage für den Kampf gegen Nazis ist, ist nur zu erreichen, wenn die festgelegten Grenzen des Kapitalismus zeitweise durchbrochen werden können. Dafür braucht es Freiräume, in denen Menschen sich frei von jedem Zwang nach ihren Bedürfnissen entfalten und ausleben können. Freiräume zu schaffen, in denen sich Menschen abseits vom rassistischen Straßenterror der Neonazis und den Repressalien des Staates aufhalten können ist von daher ebenfalls ein Ziel unserer Arbeit.

Insgesamt ist es uns wichtig, nicht nur „Feuerwehrpolitik“ zu betreiben. Wir wollen nicht nur dann aktiv werden, wenn die Aktivitäten der Neonazis es notwendig erscheinen lassen. Vielmehr wollen wir eigene politische Impulse setzen und diese mit anderen politischen Akteuren diskutieren und reflektieren. Dazu gehört unter Anderem Aufklärungsarbeit über Rechtsextremismus und der kritische Beitrag zu stadtpolitischen Themen, die uns als junge Leute betreffen.

Oft wird Nienburg als bunte und weltoffene Stadt bezeichnet. Unter diesem Gesichtspunkt ist unverständlich, warum Nazis in der Stadt geduldet werden und rassistische Bürger_innen im Internet immer und immer wieder gegen Geflüchtete hetzen, ohne dass diesen ein nennenswerter Widerstand entgegengesetzt wird. Auf einer Stufe mit der Rhetorik von Pegida, HoGeSa und AfD wird im Schutze der Anonymität gehetzt. Auch die organisierte Neonaziszene nutzt diesen Umstand für ihre Zwecke und hetzt munter mit. Die meisten Bürger_innen tolerieren diese rassistischen Auswüchse, nur wenige stellen sich entschlossen dagegen. Nachdem diese Verhältnisse in der Stadt allgegenwärtig sind, fällt es den organisierten Neonazis zunehmend leichter, Übergriffe auf Andersdenkende, insbesondere auf linke und alternative Jugendliche, zu begehen. Die Öffentlichkeit reagiert zumeist ignorant oder toleriert rechtsextreme Gewalttaten.

Vor dem Hintergrund dieser Zustände haben wir uns zusammengefunden, um den Neonazis entschlossen entgegenzutreten, ihnen die Existenzgrundlage zu entziehen und einen antifaschistischen Widerstand zu organisieren, der dafür sorgt, dass sich linke, alternative Jugendliche und alle, die nicht ins Weltbild der Neonazis passen, wieder freier in der Stadt bewegen können!

Antifaschistische Aktion Nienburg, 21.09.2016